Sir Peter Ustinov als
Hercule Poirot
in Filmen nach Agatha Christie
Sir Peter Alexander Ustinov, eigentlich Petrus Alexandrus von Ustinov wurde am 16. April 1921 als Sohn
eines Journalisten russischer Abstammung und seiner französischen Mutter Nadia Benoisin in Swiss Cottage (London) geboren.
Er besuchte von 1934 bis 1937 die
Westminster-Schule, absolvierte eine Schauspielausbildung und
begann seine Theaterkarriere 1938 beim Barn Theatre von Shere.
Auf seine eigene
Art war Ustinov Großbritanniens Walisisches "Jungenwunder": Er
begann mit 17 Theater zu spielen, verkaufte sein erstes Drehbuch (für The
True Glory) mit 24 und führte mit 25 Regie bei seinem ersten
Film (School
for Secrets).
Seit Ende der vierziger Jahre war Ustinov vermehrt in
der Filmbranche tätig und führte Regie bei Vice Versa
(1948). Auch sein satirisches Theaterstück Romanoff and Juliet
(1957; Romanoff und Julia) wurde unter der Regie des Autors 1961
verfilmt.
Als der pompöse belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot war er in späteren Jahren in Agatha-Christie-"Whodunits"
sehr erfolgreich. Eine seiner besten Filmrollen hatte er als sympathischer
Doktor in Lorenzo's
Oil (1992).
Ustinov wurde mit einem Oscar als bester Nebendarsteller für Spartacus
(1960) und Topkapi
(1964) ausgezeichnet. Er gewann Emmy Awards
für Omnibus (1957); für seine Darstellung des Socrates in Barefoot
in Athens (1966) und für A Storm in Summer (1970).
Ustinov war als Sonderbotschafter der UNICEF und Rektor der
Universität Dundee (1968-1974) tätig. Er wurde 1990 in den Adelsstand
erhoben.
Seine Frau,
Isolde Denham, war die Halbschwester von Angela
Lansbury. Ihre Tochter ist
Tamara Ustinov.
Im alten Ägypten trat der Nil alljährlich über die Ufer, überschwemmte das Tal und machte es zu fruchtbarem Land, auf dem die ägyptische Kultur gedeihen konnte. Wenn die dekadente Gesellschaft des Luxusdampfers aus Tod auf dem Nil an Land geht, um sich die Ruinen der Pharaonentempel und die Pyramiden anzusehen, verbreitet sie nichts als Parfümgeruch, Neid und natürlich Mord. Eine Situation also, wie sie die britische Krimiautorin Agatha Christie liebte: Eine schillernde Gruppe versnobter Reicher schippert wie ein luxuriöses Raumschiff aus einer anderen Welt an den historischen Stätten des Niltals vorbei. Im Mittelpunkt dieser dekadenten Gesellschaft steht die junge, reiche Erbin Linnet Ridgeway, die hier ihre Flitterwochen mit dem attraktiven Anwalt Simon Doyle verbringen möchte. Nur hat sie den ihrer ehemaligen Vertrauten ausgespannt, die wild entschlossen ist, das frisch gebackene Paar bei seiner Hochzeitsreise zu stören. Sie folgt ihnen auf Schritt und Tritt. Bei einer nächtlichen Szene mit ihrem Ex-Liebhaber zieht sie eine Pistole und schießt ihm ins Bein. Während noch alle mit diesem Ereignis beschäftigt sind, liegt die reiche Erbin schon tot in ihrem Bett. Nun ist es Zeit für den belgischen Meisterdetektiv Hercule Poirot (Peter Ustinov), seine "grauen Zellen" anzustrengen. Dabei steht ihm der Anwalt Colonel Race (David Niven) zur Seite. Die beiden stechen in ein Wespennest. Denn alle Passagiere haben ein handfestes Motiv für den Mord, und keiner will es gewesen sein...
Dieser Klassiker von 1977 ist eine der besten und aufwändigsten Agatha-Christie-Verfilmungen. Für die Kostüme gab es übrigens seinerzeit einen Oscar. Vor der herrlichen Kulisse des Nilufers agiert die Starbesetzung in Höchstform. Allen voran Peter Ustinov als gewiefter Detektiv. David Niven steht ihm dabei ebenbürtig zur Seite. Mia Farrow überzeugt als hysterische, dünnhäutige Liebhaberin. Und nebenbei gibt es noch ein Wiedersehen mit Bette Davis. Die Dialoge sind voller Witz und ironischer Anspielungen. Und die Sequenz im Tempel des Amun, wo die Kamera den Akteuren um die mächtigen Steinsäulen herum folgt und perfekt die historische Architektur in das Geschehen einbaut, darf man getrost zu den gelungensten und spannendsten Szenen der Filmgeschichte rechnen. Nicht nur für Krimi-Fans ein absolutes Muss. --Frank Kukat
Alles beginnt mit einer Toten im Moor. Aber als sich kurz darauf die
imposante Gestalt Hercule Poirots (Peter Ustinov) in der Eingangstür
der Londoner Trojan-Versicherung mit der Silhouette des Big Ben misst,
ist diese Tote zunächst einmal begraben. Der berühmte Detektiv mit dem
belgischen Akzent soll klären, warum der millionenschwere Industrielle
Sir Horace Blatt einen "Edelstein" auf 50.000 Pfund versichern
lassen möchte, der gerade einmal 38 Pfund und sieben Schilling wert
ist. Auf Sir Blatts Jacht an der Côte d'Azur stellt sich heraus, dass
der Schwerenöter von dem flatterhaften Show-Star Arlena Marshall
betrogen wurde. Dem echten Stein auf der Spur begibt sich Poirot auf
eine Insel, wo eine mondäne Gesellschaft von Showgrößen und Millionären
Müßiggang pflegt. Landschaftlich paradiesisch ist dies dennoch alles
andere als die Insel der Seeligen. Alle Mitglieder dieses elitären
Kreises sind durch Profitinteressen, Eifersucht, Missgunst, Hass oder
Ehebruch miteinander verbunden. Es würde sich kaum um einen von Agatha
Christie ersonnenen Plot handeln, wenn die Dinge hier so lägen wie sie
auf den ersten Blick erscheinen. Als die durchtriebene Arlena mit Würgemalen
am Strand aufgefunden wird, hat praktisch jeder ein handfestes
Mordmotiv. Aber auch ein wasserdichtes Alibi. Da bedarf es einer
ausgebufften Spürnase vom Kaliber Poirot, das raffiniert eingefädelte
Verbrechen aufzuklären und den Bogen vom Sonnenparadies zur Toten im
englischen Moor zu schlagen.
Poirot ist das perfekte männliche Pendant zur weiblichen
Hobbydetektivin Miss Marple. Er ist schrullig, exaltiert und
unbestechlich scharfsinnig. Niemand könnte den Meisterdetektiv besser
verkörpern als Sir Peter Ustinov, dessen Charisma diese von Guy
Hamilton mit leichter Hand und Tempo inszenierte Krimikomödie zeitweise
zu einer One-Man-Show macht. Im Schatten des Kolosses wirken selbst
Stars wie James Mason oder Jane Birkin mitunter ein wenig blass. Auf die
Ausstattung ist sehr große Mühe verwendet worden. Die Anzüge, bunten
Kleider und extravaganten Hüte lassen sich als überzeichnete
Psychogramme ihrer Träger lesen. Allein Poirots Badeanzug, mit dem er
einmal ein paar Trockenübungen am Strand vollführt, ist eine Klasse für
sich. Ein verzwickter Fall, der höchst amüsant daherkommt und en
passant beweist, wie Geld den Charakter verderben kann. --Frank Kukat